KTZ: Sie haben im Oktober den Vertrag unterzeichnet, von der SPÖ die KTZ zu kaufen. Warum wollten Sie unbedingt diese Tageszeitung erwerben?
Hansjörg Berger: Die KTZ hat eine sehr lange Geschichte, die inhaltlich und wirtschaftlich von der SPÖ, aber insbesondere von Kärnten über Jahrzehnte geprägt war. Eine Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen, die es nunmehr aufzuarbeiten gilt. Peter Kaiser als nunmehriger SPÖ-Chef hat mit dem Ausstieg der Partei aus den
Wirtschaftsbetrieben Kärntner Druckerei und Kärntner Tageszeitung den richtigen Schritt gesetzt. Eine Partei kann kein Unternehmen führen, denn es stehen wirtschaftliche Notwendigkeiten nicht immer im Einklang mit Parteiinteressen. Die KTZ hat sehr viele Potentiale, die im Unternehmen schlummern. Potentiale,die wir nun auch wirtschaftlich ausschöpfen. Wir möchten mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der Wirtschaft und zahlreichen Partnern der KTZ das Produkt neu formen und positionieren und sehen viele Chancen für die Zukunft.
Was ist für die nächsten Monate geplant?
Berger: Wir werden die KTZ in den nächsten Monaten langsam aus dem bisherigen Fahrwasser ziehen müssen und konnten bereits einige tolle Erfolge feiern. Steigende Abonnentenzahlen und viele neue Partner im Anzeigengeschäft der KTZ stärken uns den Rücken. Wir haben uns wirtschaftlich ein sehr enges Kostenkorsett auferlegt. In Zukunft sparen wir mit Investitionen wie in ein neues Redaktionssystem Leerläufe und Prozesse im Unternehmen ein, die überflüssig und unrentabel sind. Diese daraus resultierenden Potentiale packen wir in neue rentable Projekte und Produkte und stärken unser gesamtes Medienhaus. Dieses Medienhaus besteht nicht nur aus der KTZ Tageszeitung, sondern auch aus unseren neuen kostenlosen Bezirksjournalen oder unserer Werbeagentur, die auch das Societymagazin Blitzlicht Revue auf den Markt bringt. Ebenso wollen wir durch eine sinnvolle und überlegte Zusammenlegung von Abteilungen und von Know How sowie Infrastruktur Kosten sparen. Alleine schaffen wir es nicht, die KTZ am Leben zu erhalten, man gewinnt ja ein Fußballspiel auch
nicht alleine, sondern im Team. Es bedarf also der Mithilfe von Abonnenten, Wirtschaftstreibenden, die uns im Anzeigengeschäft unterstützen werden, und insbesondere den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
Die KTZ wird aus ihrem angestammten Domizil ausziehen. Steht schon fest, wohin?
Berger: Sich von der bisherigen Vergangenheit zu verabschieden, stellt für uns besonders eines in den Mittelpunkt: Neues Denken in neuen Räumen. In der Karfreitstraße 24 in Klagenfurt
bilden wir künftig die KTZ Tageszeitung, die KTZ Bezirksjournale und unsere Werbeagentur mit ihrem breiten Medienportfolio auf über 700 m2 ab. Der Standortwechsel soll auch emotional einen ersten Schritt in eine neue Ära der KTZ darstellen.
Die KTZ titelt seit kurzem als »unabhängiges« Medium. Was verstehen Sie unter Unabhängigkeit?
Berger: Meine persönliche politische Linie ist keiner Partei zugehörend, aber auch nicht einer Partei abhängig. Ich bin einer, der die guten Schritte jedes politischen Coleurs anerkennt und eigentlich traurig darüber ist, dass, wenn eine Partei eine Idee hat, sofort die anderen Parteien das Negative und nicht Umsetzbare an dieser Idee anprangern. Sich für den Schwachen und kleinen Mann auf der Straße einzusetzen, ist für mich ebenso selbstverständlich, wie denen eine Stimme und Platz zu geben, die sie, aus welchen Gründen auch immer, nirgends bekommen. Unabhängigkeit bedeutet somit für mich, keine Tendenzen in eine politische Richtung zu verfolgen, sondern sachlich und objektiv die diversen Meinungen abzubilden.